Besondere Rahmenbedingungen

Posted on April 12, 2012

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Claus Stabe „Medium“

Kurze Nacht der Galerien und Museen Wiesbaden:
Artwork CLAUS STABE, März 2012 „Medium“ Collage, Installation

von Birgitta Lamparth

Die Wiesbadener Galeristin Sylvia Bernhardt und ihre „Pop-Up-Fenster“ in der Wilhelmstraße

Man muss schon ein bisschen suchen. Oder besser: die Augen offenhalten. Denn leicht ist der derzeitige Ausstellungsort der Galerie Sylvia Bernhardt nun wirklich nicht zu finden: Da auch ihre Räume in der oberen Wilhelmstraße – ein Ladenlokal im Gebäudekomplex des früheren Hotels Vier Jahreszeiten – zurzeit saniert werden, präsentiert sie nun in Wiesbaden eine Pop-Up-Galerie: „Pop-Up wie bei den aufgehenden Fenstern im Internet“, erzählt die rührige Galeristin.

Und um Fenster handelt es sich ja gewissermaßen bei diesem temporären Ausstellungsort: In einem Durchgang von der Wilhelmstraße 6 aus stellt sie Arbeiten von drei Künstlern in drei Schaukästen aus – eine Installation, die einen besonderen Charme hat. Auch sie zeigt Arbeiten unter dem Thema Schwarz und Weiß (im Zusammenhang mit dem Motto der aktuellen Retrospektive Ellsworth Kelly im Landesmuseum): Werke von Alexander Braun, Jutta Obenhuber und Claus Stabe.

Stabe, der in Leipzig bei Neo Rauch studiert hat, verlangsamt quasi die Prozesse der schnellen Medien in seiner speziell für diesen Ort geschaffenen Arbeit. Er arbeitet manuell, auf einem bewusst langen Weg: Seine Übertragung einer Fotografie setzt sich aus unzähligen Einzelteilen zusammen – dadurch entsteht wieder ein Original. Die Arbeit schließt an seine Werkgruppe „Medium“ an, was bewusst doppeldeutig ist. Und: Sie füllt präzise den vorgegebenen Rahmen hier aus, der wie ein Passepartout wirkt.

Auch Jutta Obenhubers Werk passt sich genau den ungewöhnlichen Rahmenbedingungen an: Die Absolventin der Städelschule, die bei Raimer Jochims und Thomas Beyerle studiert hat, zeigt hier eine im Wortsinn reduzierte Arbeit. Jutta Obenhuber taucht sozusagen in die Leinwand hinein, indem sie ihre Strukturen aufzeigt und sie gleichzeitig auflöst: Alle Querfäden zieht sie heraus und macht das Gewebe dadurch fragil und damit die Malerei im Wortsinn offen. Alexander Braun komplettiert das Trio mit einer Arbeit seiner Werkgruppe „Walden“, feine Malerei mit Tusche auf Holz, in Anlehnung an das Buch von Thoreau (1854).

Eine interessante, künstlerische Intervention in das Straßenbild der Rue. Und eine gute Alternative während der Sanierung. Ob es dann am gleichen Ort weitergeht, wird man sehen. Zwischenzeitlich öffnet Sylvia Bernhardt weiter Fenster – auch in der Frankfurter Rechtsanwaltkammer und bei DWS…

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