FULL PACKAGE

Posted on Juni 1, 2012

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Eine Installation kann in einer Bank kritische Fragen aufwerfen. Bei „Kunst privat“ gibt es Gelegenheit zur Diskussion.

Von Dr. Ute Süssbrich

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Ein Bündel bunter Pappkartons bringt Farbe in die elegante Architektur von DWS-Investments in Frankfurt am Main. „Full Package“ durchdringt sämtliche Glaswände der Bank.

Die Installation des koreanischen Künstlers Jun-Ho Park hebt sich eindrucksvoll vom Boden der Lobby ab. Der Kontrast von Material und Farbe inspiriert, ohne dass zwischen Kunst und Kapital gleich Funken sprühen.

Die Wiesbadener Galeristin Sylvia Bernhardt 
hat „Full Package“ an das Unternehmen vermittelt

Sie hat auch weitere Exponate für die Ausstellung „PlayGround“ ausgesucht. „Ich finde es spannend, Kunst im Kontext von Arbeitswelten zu präsentieren. Sie (die Kunst) trifft hier auf völlig andere Rahmenbedingungen als in einer Galerie, wo jedes Bild, jede Skulptur für sich steht!“ PlayGround steht für Spielwiese – ein Ort zwischen der Kunst- und Bankwelt. Passiert es da, dass sich Künstler verweigern? Eigentlich nicht, erwidert Bernhardt, denn alle Beteiligten haben Vorteile: Die Unternehmen lernen die Künstler und ihre Werke persönlich kennen, die Künstler erreichen ein Publikum, das sich ansonsten weniger in der Kunstwelt bewegt. Unternehmensarchitektur als Spielflächen für Kunst auszuprobieren, ist die Idee von „Kunst privat!“, die seit nunmehr acht Jahren erfolgreich umgesetzt wird.

Auch viele junge Banker sind Kunstsammler

Bernhardt weiß aus langjähriger Galerie-Erfahrung, dass Kunstwerke manchmal erst im Kontext ihrer Umgebung sichtbar werden. „Ungewöhnliche Ausstellungsorte sind gut, weil sie den Dialog beleben“, sagt sie. Außerdem fänden sich unter den Bankern erstaunlich viele Sammler, sogar sehr junge Mitarbeiter, die gerade beginnen, Kunst zu erwerben und zu sammeln. Die Exponate von PlayGround kann man auch kaufen, anders als bei den meisten anderen der 35 hessischen Unternehmen und Institutionen, die ihre Privatsammlung zeigen. Neben Jun-Ho Park stellt die Galeristin Robert Seidel und Julius Hofmann bei DWS-Investments vor, zwei Schüler des Leipziger Akademieprofessors Neo Rauch. Dazu kommt das Erlebnis der Architektur. Lautlos saust der Glaslift in die oberste Etage, von der sich ein guter Blick auf das Innenleben des Bank-Unternehmens bietet. Bernhardt bewegt sich darin inzwischen ganz selbstverständlich, obwohl dies bisher eher fremdes Terrain für sie war. Ausgehend von der eigenen Galerie will sie jedoch auch künftig neue Räume und den Dialog mit Arbeitswelten für die Kunst entdecken. Bernhardt führt in den verwinkelten Flur, der die Gemälde teils versteckt, teils als Einzelstücke dominieren lässt.

Die phosphoreszierenden Augen des „Welpen“ von Julius Hofmann etwa leuchten bis auf die gegenüberliegende Seite. Die Architekturlandschaften von Robert Seidel brauchen dagegen den Blick aus der Nähe. Von hier oben erscheint „Full Package“ jetzt fern und klein wie Kinderspielzeug. Mitarbeiter in Hemd und Krawatte laufen vorbei, manche halten ein Schwätzchen, vielleicht auch über die bunten Pappkartons. Warum der Künstler kein wertvolleres Material verwendet hat, wollen sie häufig wissen, sagt die Galeristin.

Der Künstler weist auf die Folgen der Globalisierung hin

Auch die Bedeutung des Steges, der aus den Kuben herausragt, gibt Rätsel aus. Wie Bernhardt erklärt, will Park mit seinem Werk auf Missstände durch die Globalisierung hinweisen. Die Lobby sei ihr beim Aufbau der Arbeit, bei dem sie mithalf, wie ein futuristischer Marktplatz erschienen. „Hier werden Werte verhandelt“, sagt sie. Die Form von „Full Package“ ist dem Lastenaufsatz der Karren kleiner Händler beispielsweise in Fernost nachempfunden. Dort schleppen Menschen schwere Lasten, die Gewinne werden von anderen eingestrichen. „Kunst kann unbequeme Dinge sogar in einer Bank ansprechen. Sie muss nur gut verpackt sein“, sagt Bernhardt. Mit Charme, ästhetischem Geschick und Hintersinn vermag ein Werk gerade in solchen neuen Zusammenhängen, kritische Fragen zu stellen.
DWS Investments, Frankfurt, Mainzer Landstr. 178-190, Anmeldung: 069 / 719097933

KUNST PRIVAT

Für „Kunst privat“ öffnen Firmen, Banken Büros und wirtschaftsnahe Institutionen seit 2005 ihre Türen und zeigen ihre Kunstsammlung. Die Aktion wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium gefördert. Am 2. und 3. Juni, beteiligen sich 35 Unternehmen. Schwerpunkt ist im Rhein-Main-Gebiet mit den großen Bankensammlungen. Doch auch Firmen aus Kassel, Melsungen und Gießen sind dabei. Eigentümer, Fachleute oder Kuratoren führen durch die Sammlungen und erläutern das Konzept. Anmeldung bis 30. Mai, entweder bei den Firmen direkt oder auf http://www.kunstprivat.net

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Posted in: Articles, Exhibitions