Alle satt?

Posted on Mai 1, 2017

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Ein Spaziergang über die Art Cologne 2017

von Sylvia Bernhardt

An mir schlendert Kaspar König vorbei, Ute Weingarten von Artpress sehe ich von weitem. Ein paar Amerikaner, gebräunt von der Sonne Kaliforniens, sind wahrscheinlich als Gesandtschaft von Gagosian Gallery, nach Köln gekommen. Sie ziehen im Gespräch mit dem Messedirektor Daniel Hug an mir vorbei.

Da fällt mir am Eingang, prominent platziert bei David Zwirner, folgendes Hollywood-Foto von Thomas Ruff auf:

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Thomas Ruff, Press ++32.15, 2016, Chromogenic Print, 229,2 x 184 cm, Ed. ¼, Signed, Titled, Dated (front), Merlin Carpenter, Curt Cobain, Acrylic on canvas (left)

Direkt dahinter, in Pop Art Manier, ist bei der Galerie Neu ein Porträt von Kurt Cobain ausgestellt. Es erinnert an die frühen Werke von Andy Warhol, ist jedoch von dem Künstler Merlin Carpenter. Alles ganz nett, alles ganz gefällig.

Mehr Prominenz begegnet mir links, gleich hinter Ropac bei der Galerie Klüser: Joseph Beuys in Lebensgröße. Abgebildet auf einem Plakat, ist der Meister Joseph Beuys nicht zu übersehen. Seinerzeit galt er als der „idealtypische Gegenspieler“ zu Andy Warhol.

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Galerie Klüser, München, Joseph beuys, La Rivolutione siamo noi, 1971, Phototype on Paper, Imprinted „Joseph Beuys, November 13, 1971, Modern Art Agency, Napoli“, shades of grey, 191,1 x 100,5 cm

Auf der Suche nach etwas Frischem, fällt mir unter den NEW POSITIONS, bei der Galerie König, die Skulptur eines riesigen Kuchentisches auf. Der Künstler Andreas Schmitten präsentiert hier sein Werk mit dem Titel „Bürgerwehr 2017“.

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Andreas Schmitten, Bürgerwehr, 2017 1. Wood, fabric, laquer, polyurethane Six stools each 49 x 45 x 45 cm, Tabletop 25 x o 256 cm, Unikat (Kuchentisch) 2. fabric, polyurethane, metal, wood laquer, 215 x 125 x 38 cm, Unikat (Kasten)

Eine weitere Arbeit von Andreas Schmitten (nicht ausgestellt) finde ich im Messekatalog. Das Thema „Ready Made“ wie Duchamps „Pissoir“, wird hier weiterentwickelt und auf Hochglanz gebracht.

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Andreas Schmitten, Prop No. 3, polyurethane, lacquer, wood, fabric, fluorescent tube, 2016, 320 x 280 x 220 cm, Unique

Schon ganz satt von den hochqualitativen, großformatigen, altvertrauten Motiven, muss jetzt aber endlich etwas Frisches her. Da entdecke ich bei Eigen+Art Arbeiten von Christina Schuldt aus Leipzig.

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Kristina Schuldt „Spaziergang“, 2017, Oil and egg tempera on canvas, 220 x 180 cm

Körper wie Riesenwürste und Klöpse, marschieren, in bunte Kleider gehüllt, über die Leinwand. Dargestellt sind wohlgenährte, üppige Frauen, in einer Art Trachtendirndl, wie man sie auf dem Oktoberfest sieht. Es könnten Mittelschichtfrauen oder auch Millionärsgattinnen sein. Gierig nach Leben, hungrig nach Fröhlichkeit, wirken sie in Ihrem Durst nach dem neuesten Spaß fast bedrohlich. Von innen nach außen gemalt, hat die Künstlerin ihre Protagonistinnen in Übergröße, auf uns hinunterblickend, auf riesige Leinwände gebracht. Bedrohlich und gleichzeitig lustig befreiend wirken sie auf mich. Ich bin zufrieden, daß es keine Magermodels sind.

Virtuos gemalt, ein bißchen auf der Nostalgiewelle, erinnert ein Werk von René Wirths daran, daß es kargere Zeiten gab. Vielleicht wünschen sich manche gar zurück in eine langsamere Welt? In eine Welt, wo ein einfaches Tonbandgerät reichte, zum großen Glück?

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René Wirths, Tonbandgerät, 2016, Öl auf Leinwand, 180 x 210 cm, Galerie Haas, Zürich, Berlin

Ein Blick in die Vergangenheit kann manchmal auch erfrischend sein, so dass ich Lust auf neuere Positionen bekomme. Diese finde ich in der zweiten Etage der Messe, bei Galerie Parisa Kind. Sie zeigt Mike Bouchet und Paul Mc Carthy.

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Und wenn wir noch weiter gehen, gibt es ganz neue Positionen aus Übersee zu sehen. Frische „Fried eggs“ aus New York für EUR 450,- fanden wir witzig. (NEUMARKT) Oder ist das auch nicht mehr so neu?

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Galerie Kate Werble, New York, Christopher Chiappa, Single Fried Eggs and Multiple Fried Eggs, Paint Epoxy Raisin and fiberglass on plaster, Sizes variable, from EUR 425,-

Im Westen nichts Neues?

Meine letzte Station ist bei Gagosian, der Chris Burdens „Buddhas Fingers“ zeigt. Es ist eine der letzten Arbeiten des 2015 verstorbenen Künstlers. Mit seinem Ready Made reanimiert der Künstler Lampen der zwanziger Jahre. Die gefeierte Dauerinstallation steht in Form von 202 Lampen, in ähnlicher Anordnung, am Eingang zum LACMA (Los Angeles County Museum of Art) in Los Angeles. Die Form der Lampen erinnert an eine Zitrone, welche im Buddhismus göttliche Weisheit und Glück prognostiziert. Es ist ein Kraftfeld positiver Energie.

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Chris Burden, Buddha’s Fingers (detail), 2014–15, cast iron, glass, electrical wiring, 142 × 108 × 108 inches (360.6 × 274.3 × 274.3 cm)

Dass Gagosian mit dem Werk von Chris Burden dabei war, lässt erahnen, dass sich die Art Cologne, als die erste und historischste Kunstmesse überhaupt, auch weiterhin neben der Art Basel/Miami Beach/ Hong Kong, als große internationale Schau behauptet.

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