Max Liebermann und der Sport

Posted on Juni 11, 2017

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Von freier Zeit, dem Streben nach Leichtigkeit und sportlicher Eleganz

Von Regina Liebermann

Die Ausstellung Max Liebermann und der Sport in der Liebermann-Villa zeigt einen entscheidenden Wendepunkt im Schaffen des Malers: Liebermann verabschiedete sich von der ruhigen, kontemplativen Darstellung arbeitender Bauern, Tagelöhner und Handwerker in ihrer kargen Umgebung und wendet sich nun in zahlreichen Bildern den Freizeitvergnügungen und modernen Sportarten unter freiem Himmel zu. Inspiriert wurde Liebermann, das macht die aktuelle Schau deutlich, von französischen Impressionisten wie Edouard Manet und Edgar Degas, deren Bilder seit 1889 sukzessive Akzeptanz in Berliner Kunstkreisen hielten.

Max Liebermann Polospieler in Jenischs Park, 1903, ©Privatbesitz

Mit Sport im eigentlichen Sinne hat das Treiben der Jungen am Strand in Max Liebermanns Bild Badende Knaben- Jungen in Zandvoort, datiert 1896-1898, oder das Bild Badende Knaben von 1900 aus dem Stadtmuseum Berlin, nicht viel zu tun. Wie auch auf vielen seiner Vorstudien zu den Bildern sind die Jungens mit Ausziehen oder wieder Anziehen, ins Meer Hineingehen oder gerade Herauskommen beschäftigt. In den Jahren 1895 bis 1909 entstanden mehr als dreißig Ölstudien und Gemälde zu dem Thema badende Jungen am See oder Strand. Dazu kommen zahlreiche Druckgrafiken und Zeichnungen. Liebermann malt hier, wenn auch indirekt, die Anfänge des Strandlebens der modernen gehobenen Bürgerschaft, angedeutet in den Strandkörben und Badekarren die, wie im Zandvoort Bild, am Rande aufscheinen.

Nach und nach greift er das Thema Freizeit und Freizeitvergnügen auf – völlig im Gegensatz zu den Werken mit denen er zu Anfang seiner Karriere Furore machte: Realistische Darstellungen von arbeitenden Frauen (Die Netzflickerinnen, 1889) und Männer in der Gemeinschaft, naturalistisch und ohne Pathos so wie er betonte. Mit den Gänserupferinnen wird er 1872 noch als Maler des Häßlichen gescholten. Seine Darstellungen der einfachen Leute wird von Kaiser Wilhelm II. 1901 als Rinnsteinkunst kritisiert.

Zu diesem Zeitpunkt hat der Stilwandel schon begonnen. Liebermanns Szenen und Landschaften sind heller, farbiger, die Pinselstriche freier und lockerer. Mit dem Palettemesser setzt er großzügig seine Farben und Lichtreflexe –sie bringen die Bilder noch heute zum Leuchten und Vibrieren.

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Bereits bei den Badenden Knaben (1900) und den zwei Jahre vorher fertiggestellten Jungen in Zandvoort (im Katalog abgebildet und heute in der neuen Pinakothek München ausgestellt) ist er schon dort angekommen: Helle Pastellfarben überwiegen, die Gesichter, Beine und Pos der Jungen leuchten rötlich –vom Bade im eiskalten Wasser der Nordsee. Die Jungens hantieren beim Anziehen mit ihren im Wind wie Fähnchen wehenden weißen Hemden.

Zeitgleich beginnt Max Liebermann sich mit sportlicheren Themen des Strand- und des mondänen Kurlebens zu beschäftigen: Reiter am Strand, Spaziergänger im Sommerkostüm, tennisspielende Damen.

Die Reiter werden ab 1900 zu einem der Hauptmotive seiner Malerei. Immer wieder malt er einzelne Reiter und Reiterpaare, die am Strand ausreiten. Hier macht die Ausstellung den Einfluss der Hollandaufenthalte und die Beschäftigung mit den Impressionisten auf Liebermanns Entwicklung deutlich. Mit dem Werk Edgar Degas beschäftigte sich Liebermann seit den 1890er Jahren. In der Zeitschrift PAN schrieb Liebermann, dass Degas Palette denkbar schlicht sei, der Bildausschnitt originell, sodass seine Bilder „den Eindruck einer Momentaufnahme“ erweckten (nachzulesen im materialreichen Katalog zur Ausstellung). Liebermann verweist hier auch auf den großen Erfolg seines französischen Kollegen auf dem Kunstmarkt. Degas Werke seien „ohne irgendwelchen Chic; einfach und ungeschminkt wie die Natur, wie er Degas – sie sieht“. Und : „Er weiß so zu komponieren, dass es nicht mehr komponiert aussieht.“ Da dies die wesentlichen Grundsätze und Ansprüche auch für Max Liebermanns Kunst waren, dürfte er sich wohl bei Degas Inspiration geholt haben.

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Das Einfangen der Schnelligkeit und hohen Dynamik des Pferdesports gelang Liebermann sehr modern und genial mit dem Bild Polospieler in Jenischs Park von 1903, welches eines der Höhepunkte der Ausstellung ist. Der Bildausschnitt ist äußerst dynamisch komponiert: Einige Spieler galoppieren im Pulk am linken Bildrand ins Spielfeld, die Bewegung der Pferde ist in jenem Moment festgehalten, in dem fast alle Beine der Pferde in der Luft schweben. Der vordere Spieler holt, fast liegend auf dem Pferd mit weit ausgestrecktem Arm zum Schlag aus; ein frontal zu sehender Gegenspieler ebenso zum Angriff, jedoch von oben mit hochgerecktem Poloschläger. Im Gegensatz zu früheren Darstellungen von Reitern oder Reitsport anderer Künstler, lässt Liebermann alles Repräsentative weg: kein Sattel, Steigbügel, Zaumzeug ist zu sehen, kein mondänes Publikum, weder Tribünen oder Bauten im Hintergrund. Einzig die Farbigkeit und die Bewegung von Spieler und Pferd ist das Thema. Der perfekte Augenblick!

Die Ausstellung Max Liebermann und der Sport – Reiten, Tennis, Polo ist noch bis zum 26. Juni 2017 in der Liebermann-Villa am Wannsee täglich außer Dienstags zu besuchen. Sie wurde zusammen mit der Kunsthalle Bremen konzipiert und kuratiert und war zuvor in Bremen in einem größeren Umfang unter dem Titel Max Liebermann- Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport zu sehen.

Siehe auch www.LIEBERMANN-VILLA.DE

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