Power Shopping in Maastricht: von Diego Velazquez bis Henry Moore

Posted on März 19, 2013

0


Der europäische Kunsthandel bleibt selbstbewusst

 media_tefafmedia_vett0903

von Nathalie Höcke-Groenewegen

Und wieder keine Spur von Krise. The European Fine Art Fair, kurz: TEFAF, bietet mit 265 hochrangigen internationalen Ausstellern und insgesamt fast 30.000 Kunstwerken herausragende Qualität und ist damit die weltweit wichtigste Kunst- und Antiquitätenmesse.

Von Maastricht bis Peking

Wir sind in Maastricht, aber der geografische Lageplan der Kunstmärkte verändert sich. Zwar gibt es noch viele Käufer aus Europa und vermehrt auch wieder aus den U.S.A., doch Russland und vor allem China stehen ganz oben bei der Nachfrage. “Tefaf Peking 2014” ist laut Bloomberg News geplant, „eine Kooperation zwischen The European Fine Art Fair und dem Sotheby’s Joint Venture mit China’s staatlicher „Peking GeHua Group“, verkündet die Messeleitung heute per e-mail.

Das Erscheinen europäischer Altmeister

Dennoch gibt sich der europäische Kunsthandel selbstbewusst. Und behält Recht damit. Im Gegensatz zu anderen Messen geht es hier gediegen zu. Keine Hektik, keine Wichtigtuerei, sondern gepflegtes und zurückhaltendes Flanieren durch die Kunstwelt. Natürlich mit dem angemessenen Luxus. Das Erscheinen großer Altmeister, sei es ein eindrucksvolles Portrait eines Herren von Velasquez für 14 Millionen US-Dollar (bei Otto Naumann / New York), ein Francesco Guardi für 4 Millionen Pfund (bei Moretti / London) oder eine frühe Meissner Vase (Vogelbauervase) aus der Sammlung August des Starken, die von Georg Fritzsche nach den japanischen Vorlagen aus Arita-Porzellan modelliert und von Johann Gregoius Höroldt dekoriert wurde, gesehen beim Münchner Porzellanspezialisten Röbbig, für 1,1 Millionen Euro, sind Beispiele von einmaliger Qualität. Spätes Mittelalter gibt es bei Daniel Katz (London), der sein Tilman Riemenschneider– Verkündigung-Relief  aus Alabaster, (um 1515/1520) für 1,8 Millionen Euro anbietet.

Kunst als Wertanlage, ob nun jene der Alten Meister oder solche der Moderne, dieser Trend scheint sich durchzusetzen. Allerdings muss die Qualität stimmen.

Wie wär’s mit einem Henry Moore für 35 Millionen

Und die Qualität stimmt in Maastricht. Bevor ein  Kunsthändler hier ausstellen darf, muss er bereits ein gewisses Renommee besitzen. Bei einer Standmiete von rund 100 000 Euro, plus Standbaukosten und diverse Extras, ist dies nur für die ganz großen Flaggschiffe der Kunst- und Antikwelt möglich. Darüber hinaus garantiert eine unabhängige Fachjury, die jedes der zum Verkauf angebotenen Exponate begutachtet, eine hohe Sicherheit für die internationale Käuferschaft. Die Anzahl wohlhabender Besucher demonstriert, dass der Kunstmarkt weiter Potential hat – für Antiquitäten wie für die Werke der Moderne.

Mit einem Van Gogh-Pastell aus dem Jahre 1883, Jardin de Presbytère das von Ivo Bouwman angeboten wird, geht es hinüber in die Sektion der Moderne, welche seit jeher abgetrennt von den anderen Epochen geführt wird. Wie schon im letzten Jahr, fehlen auch dieses Mal einige führende Galerien, wie Hauser & Wirth oder Acquavella oder Waddington, doch bleibt damit die Qualität nicht etwa auf der Strecke. So gibt es Henry Moores Reclining Figure: Curved zu sehen; eine fast 1,5 Meter lange und 600 Kilo schwere Figur, welche bei Landau (Montreal) für 35 Millionen Dollar angeboten wird. The Mayor Gallery aus London wartet mit einem Werk von Günther Uecker (Nagelkreis) auf – einem im Durchschnitt zwei Meter großen Werk – das für 640.000 Euro erworben werden kann. Die New Yorker Galerie Gagosian präsentiert ein Ölgemälde von Pablo Picasso, Femme avec un couteau à la main et une tête de taureau, aus dem Jahre 1946 und zudem eine  goldene spiegelpolierte Edelstahlskulptur mit durchsichtiger, blauer Beschriftung und lebenden Blütenpflanzen von Jeff Koons aus dem Jahre 2010-2012. Über Preise spricht man hier nicht.

Wer Schätze möchte, die leichter zu transportieren sind, der findet genügend Möglichkeiten, sein Geld in Juwelen anzulegen. Aus sämtlichen Epochen von der Antike bis zur Gegenwart werden außergewöhnliche Stücke angeboten: Eine mit Diamanten besetzte Brosche aus Silber und Gold mit durchbrochenen Flügeln von Musy, Turin, datiert um ca. 1860, welche sich im Besitz dreier italienischer Königinnen befand, ist ein prächtiges Highlight, offeriert von A La Vieille Russie, New York. Eine exquisite Pavé-Brosche mit Rubinen und Diamanten im Mystery Setting von Van Cleef & Arpels, signiert und datiert 1964, ist bei Epoque Fine Jewels aus Kortrijk, zu sehen. Viel Spaß beim Power Shopping.

The European Fine Art Fair wird vom 15. bis 24. März 2013 veranstaltet und ist täglich von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet, am So. 24. 3. bis 18:00 Uhr. Ein Ticket kostet 55 Euro mit Katalog.

Redaktion: Regina Liebermann, Sylvia Bernhardt
Foto: Tefaf, Loraine Bodewes

Dr. Nathalie Höcke-Groenewegen ist Kunsthistorikerin und Beraterin für Kunst- und Antiquitäten, ART ViVANT – E. Van Es Fine Arts

Quellen: Bloomberg, Tefaf Maastricht

Advertisements
Posted in: Visited